Erfahrungsbericht Hypnose

 

Liebe Leser, bevor ich von meinen direkten Erfahrungen mit der Hypnose erzähle, beginne ich mit der Vorgeschichte und der Situation, in welcher ich mich befand. Ich war damals 25 Jahre alt (2018) und hatte ein für mich grosses, aber für viele andere unverständliches und banales Problem. Jedes Mal, wenn ich mich ins Auto begab, um selbst zu fahren, geriet ich in einen für mich unmöglichen Zustand welcher einer «mini» Panikattacke ähnelt. Nur schon beim Gedanken daran ich müsse bald Autofahren wurde mir schlecht, mir war kalt, ich hatte schwitzige leicht zittrige Hände und alles in meinem Körper sträubte sich dagegen.

Im Jahr 2015 hatte ich die praktische Fahrprüfung (mit sehr viel Stress) bestanden und nun musste ich die beiden WAB-Kurse absolvieren, um nicht nochmal alles von Anfang an neu zu machen (was wieder viel Stress bedeuten würde und natürlich auch sehr teuer ist) und endlich meinen unbefristeten Fahrausweis zu erhalten. Nach der Prüfung fuhr ich sehr selten Auto, lediglich kurze Strecken, um einkaufen zu gehen. Als Kind (ca. 4 Jahre alt) sass ich einmal hinten im Auto, als eine Person unseren Wagen kollidierte, damals fuhr mein Vater, welcher aber nicht schuld war. Es passierte niemandem etwas und ich würde behaupten, dass ich die ganze Geschichte nicht als sonderlich schlimm empfand. Ich hatte für mich also keine schlechten Erfahrungen mit dem Autofahren gemacht, ausser als ich selbst anfing zu fahren. Meine Eltern setzten mich stark unter Druck ich soll endlich die Prüfung machen und irgendwie habe ich sie dann auch geschafft. Doch das Gefühl auf der Strasse war nicht angenehm, ich hatte nicht grosse Angst, dass ich etwas falsch mache, ich machte mir eher Sorgen, wie die anderen Autofahrer unterwegs sind. Es gab nicht eine Fahrt ohne dass ich meinen Kopf schütteln musste, wie sich die anderen auf der Strasse verhielten.

Ich musste nun also diese zwei Kurse absolvieren und hatte mir vorgenommen in den Sommerferien dafür zu üben. Ich fuhr immer wieder Auto, jedoch fühlte ich mich echt nicht wohl dabei. Ich suchte nach Gründen, weshalb das Normalste auf der Welt in mir so einen immensen Leidensdruck ausübte, doch fand keine Antwort. Ich war auch schon immer gern Beifahrer. Ich sprach viel mit der Familie und Freunden darüber. Sie versuchten mir wirklich zu helfen und mir das Fahren etwas geschmackvoller und positiver zu verkaufen, jedoch brachte es nichts. Einige Leute erzählten mir damals von Hypnose und dass dies in verschiedensten Problemen helfen könnte, ich stand dem aber schon immer sehr skeptisch gegenüber!

Die Zeit rannte und ich wollte nicht, dass alles für die Katz war. Ich wusste nicht mehr weiter, also beschloss ich in die Hypnose zu gehen, um wenigstens alles dafür getan zu haben, um mein Ziel zu erreichen. Ausserdem kann es ja nicht schaden. Ein Psychologe oder Psychiater kam für mich nicht in Frage, ich wollte nicht mit fremden Menschen über mein Leben reden und so kam ich auf die Idee Sonja zu fragen. Ich bin mit ihrer Tochter befreundet und sie war mir von Anfang an immer sehr sympathisch und habe mich in ihrer Gegenwart immer sehr wohl gefühlt, ich vertraue ihr. Dies war für mich eine Grundvoraussetzung für so eine Aktion.

Der Tag war gekommen, ich fuhr zu Sonja (mit den ÖV haha) nach Hause und wir plauderten zuerst, da wir uns schon lange nicht mehr gesehen haben. Wir gingen ins Obergeschoss und die Sitzung begann damit, dass ich über den Ablauf informiert wurde und mit Sonja gemeinsam einen Fragebogen über mich ausfüllte. Dabei geht es um allgemeine Dinge über mich, meine Familie, allfällige Krankheiten, was ich thematisieren möchte etc. Dann durfte ich es mir auf einer Liege bequem machen und Sonja erklärte mir jeden Schritt und kündigte auch an, dass sie mich immer wieder einmal zwischendurch kurz berühren würde (Arme, Hände, Gesicht, Fuss), also überhaupt nichts Schlimmes. Ich fand es super, dass sie es so professionell durchführte und mich wirklich gut informierte. Dann musste ich die Augen schliessen…dies war für mich richtig richtig schwierig sie zu zu behalten und nicht lachen zu müssen (ich war ja immer noch von grosser Skepsis durchdrungen). Langsam aber sicher gelang es mir dann. Wir sprachen über dieses Gefühl, dass ich hatte beim Fahren und über ähnliche Situationen. Ich versuchte mich daran zu erinnern, wann ich dieses Gefühl schon einmal hatte, es war auch sehr schwierig für mich zurückzudenken, ich hatte das Gefühl es fällt mich nichts ein und in meinem Kopf ratterte es total und ich bemühte mich sehr. Ich muss erwähnen, dass ich im Kopf total bei der Sache war, ich kann mich an alles erinnern, ich denke ich war schon in einer gewissen Trance aber voll bei der Sache. Dass ich in Trance war merkte ich aber erst, als ich einmal versuchte die Augen zu öffnen, es war ein super seltsames Gefühl, ich wollte sie sofort wieder schliessen. Ausserdem hatte ich überhaupt kein Zeitgefühl, soweit ich mich erinnern kann dauerte die Sitzung etwa 3 bis 4 Stunden und es kam mir so vor wie maximal eine Stunde. Während der Sitzung stossen wir auf ein Thema, womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte, da es überhaupt gar nichts mit dem Autofahren zu tun hatte. Es ging um eine wichtige Person in meinem Leben, mit welcher ich einen inneren Konflikt hatte und Sonja half mir dabei diesen zu lösen. Dies war sehr emotional und die Tränen flossen unkontrolliert. Als die Sitzung vorbei war, hatte ich immense Kopfschmerzen, war total verblüfft darüber wie spät es schon ist und ich bekam etwas Zeit, um wieder etwas «herunterzufahren». Zum Glück wurde ich von meinem Freund abgeholt, ich war total durch.

Ich brauchte ein paar Tage, um meine Gedanken um den unerwarteten Fall mit der Person zu sammeln, zu ordnen und damit umzugehen. Zunächst hatte ich schon noch Mühe mit dem Autofahren, ich war also nicht einfach so geheilt. Doch desto mehr ich mich mit dieser Person auseinandergesetzt hatte und dies verarbeiten konnte, desto besser lief es mit dem Autofahren.

Nach wie vor bin ich immer noch skeptisch gegenüber der Hypnose. Ich bin ein Mensch, der überall die Logik sucht und es war total unverständlich, dass ein Thema aufkam, welches ich niemals in diesen Zusammenhang gesetzt hätte. Ich muss aber auch erwähnen, dass ich ganz andere Vorstellungen von der Hypnose hatte, ich dachte ich hätte keine Kontrolle über die Situation, ich dachte es würden Stunden vergehen, sie schnippt und ich wache auf und weiss von nichts. Wie aber schon beschrieben war das nicht richtig.

Jetzt ist fast ein Jahr vergangen. Ich kann ohne ein schlechtes Gefühl Autofahren, ich habe keine schwitzigen Hände mehr, kein ekliges Gefühl mehr und fahre zum Teil sogar richtig gern Auto, wenn ich noch meine Roadtrip CD abspielen lasse. Ich muss dazu sagen, dass ich immer noch nicht gerne Strecken fahre, die ich nicht kenne und auch die Autobahn meide ich noch, wenn es geht, ansonsten aber geht es mir recht gut dabei. Ich denke es geht darum zu üben und nur so gewinnt man auch an Sicherheit und Erfahrung.

Ob es die Hypnose war, welche mich von dem unangenehmen Gefühl befreite oder ob es einfach die Routine war kann ich nicht sagen. Aber was ich sagen kann, ist, dass es unwahrscheinlich wichtig war, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Ich habe Hilfe angenommen, ich konnte verdeckte Probleme identifizieren und verarbeiten. Geschadet hat es mir definitiv nicht, im Gegenteil, es war eine aussergewöhnliche Erfahrung und brachte mich stark zum Nachdenken. Die Auseinandersetzung mit sich selbst und seinem Erlebten ist so wichtig und das habe ich bei der Hypnose gelernt. Ich kann es jedem empfehlen, sofern man nicht die Verantwortung, seine Probleme selbst zu lösen, abgibt. Wenn man an sich arbeiten will, ist das eine gute Möglichkeit gewisse Türen zu öffnen und andere Türen zu schliessen.

Merci Sonja <3